Deine Seele weint – Gedicht #2

Posted in Allgemein, Gedichte/Lyrik on 12. März 2016 by Jeanette Neuendorf | Berlin

© Jeanette Neuendorf, 2016

***

Tiefer und noch tiefer hast du ihn vergraben,
bis auf den Meeresgrund verbannt.
Doch gibt er keine Ruh‘.

Wütend trittst du ihn nieder,
auf dass er ganz verschwinden möge.
Vergebens. Er findet seine Wege.
Trübt die Wasser deines Lebens,
wo du auf Glück und Frieden hoffst.

Rastlos suchst du Heil. Für kurze Augenblicke lang.
Trugbilder deines irdischen Seins.
Dein Schmerz, mein Freund, gehört nur dir allein.

Trotz füllt deine Augen, an Tränen statt.
Erschöpfung spricht aus deinem spiegelnden Gegenüber.
Deine Seele weint.

Ich kann sie hören. Ozeane weit.
Deinen Schmerz. Ich kenne ihn. Und weiß.
Möchte dich rufen. Dich halten. Dir zeigen, wie du heilst.

Hältst deine Liebe gefangen.
Verschlossen dein Herz.
Niemand kommt in seine Nähe.
Nicht einmal du selbst.

Deine Seele weint.
Ich wünschte, du könntest sie endlich hören.

***
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Mein erstes Gedicht

Posted in Allgemein, Literatur on 4. Oktober 2015 by Jeanette Neuendorf | Berlin

Menschwerdung

Kraftort.
Auszeit vom Gewühl des Lebens.
Galaktische Orientierungspunkte
als Sinnbilder für Unendlichkeit.
Verstehen, dass es nichts zu verstehen gibt.
Dass alles ist und nichts je bleibt.

Sprechen ohne Füllwörter.
Seelenspaziergänger am Ufer des Sees.
Hören, was Andere nicht sehen.
Einander zu erkennen geben.
Für kurze Momente der Ewigkeit.

Zum Eigentlichen Vordringen.
Tief hinab ins Innerste der Einsamkeit.
Endlich! freut sich die Todesangst
und ergreift ihre Chance.
Doch er breitet seine Flügel aus
und führt sie behutsam tiefer hinein.
Bis zum Drachen. Unüberwindbarer Hüter
all ihrer ewiglichen Sehnsucht.
Du bist frei, er ist es nicht.
Ja, sagt sie und weint.
Stille Geborgenheit.
Im Dunkel der Nacht.

So geht Menschwerdung.
Ja, sagt sie und begreift.

Erlöst beschreitet sie den Weg,
der endlich ihr eigener ist.

© Jeanette Neuendorf, 2015

Sidi Larbi Cherkaoui

Posted in Allgemein, Film, Tanz on 17. Mai 2014 by Jeanette Neuendorf | Berlin

Es gab im vergangenen Jahr zwei Ereignisse, die auf künstlerischer Ebene einen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen haben. Durch einen Artikel im Spiegel (Ausgabe 17/2014) erfuhr ich, dass bei beiden ein Mann seine Finger im Spiel hatte: der Choreograph Sidi Larbi Cherkaoui. Deshalb möchte ich diese beiden Ereignisse gerne an dieser Stelle teilen: der Film „Anna Karenina“ und ein Musikvideo zu dem Song „Valtari“ der isländischen Band Sigur Rós.

Für mich der bislang schönste getanzte Liebesakt und die Verkörperung der Verschmelzung zweier Seelen:

 

Für „Anna Karenina“ holte der Regisseur Joe Wright („Abbitte“, „Stolz und Vorurteil“) Cherkaoui mit an Bord. Das Ergebnis: eine selten gelungene Kombination aus Film, Theater und Tanz.

 

Ich bin sehr gespannt, was wir von diesem Choreographen noch zu erwarten haben. Ich denke, einiges!

 

Martine’s Legs

Posted in Allgemein, Fotografie on 8. Mai 2014 by Jeanette Neuendorf | Berlin

Als ich vor wenigen Tagen im Centre Georges Pompidou in Paris die umfassende Retrospektive von Henri Cartier-Bresson (noch bis 9. Juni 2014) besichtigte – sah ich viele mir bereits bekannte Bilder, ganz besonders aber weckte ein, mir bis dato unbekanntes, Foto meine Aufmerksamkeit:

martin-franck-cartier-bresson

Martine Franck | Foto: Henri Cartier-Bresson

 

Ich beschäftige mich seit fast 25 Jahren mit Fotografie, und musste mir eingestehen, dass ich zuvor noch nie von ihr gehört hatte. Beim anschließenden Stöbern im Museumsshop entdeckte ich dann ein Fotobuch von ihr und bei weiterem Nachforschen, fand ich heraus, dass Martine Franck (1938-2012) Henri Cartier-Bresson’s zweite Frau war (bis 2004 zu seinem Tod) und, wie ich sehr schnell feststellen konnte, eine sehr gute Fotografin. An der Seite ihres berühmten Mannes wohl lange Zeit vollkommen unterschätzt!

Hier nur einige Beispiele ihrer Arbeit:

Foto: Martine Franck

Foto: Martine Franck

 

Foto: Martine Franck

Foto: Martine Franck

 

Foto: Martine Franck

Foto: Martine Franck

 

Foto: Martine Franck

Foto: Martine Franck

 

Foto: Martine Franck

Foto: Martine Franck

Liebesbriefe

Posted in Allgemein, Literatur on 18. März 2014 by Jeanette Neuendorf | Berlin

Ich hätte niemals gedacht, dass ich zur wohl letzten Generation gehören würde, die noch handschriftliche Liebesbriefe geschrieben und bekommen hat. Neulich erst hielt ich wieder einige von ihnen in den Händen. Überwältigt von der Kraft der Worte und warm umschlungen fühlte ich mich beim Lesen dieser Briefe, geschrieben auf Papier.

Liebesbriefe

Heutzutage sind wir schnell dabei, mit allem. Briefe per E-Mail, rasche kleine Botschaften per SMS, elektronische Unterhaltungen oder gar der Austausch erotischer Amorösitäten über Chatfenster. Auch das hat alles seinen Reiz und Vorteile. Ich bin definitiv für moderne Kommunikationsmittel. Keine Frage. Aber ich komme zu dem Schluss – es ist nicht dasselbe.

Das Schreiben eines Briefes bedeutet, man nimmt sich Zeit, wählt Papier und Stift, formuliert Gefühle und Gedanken, wobei die Stimmung mit in unsere Handschrift einfließt. Man legt das Geschriebene in einen Umschlag, adressiert ihn, geht damit zur Post oder direkt zum Briefkasten, und ist währenddessen die ganze Zeit mit dem Anderen beschäftigt, trägt ihn quasi bei sich. Das Warten auf die Antwort ist ein weiterer Teil der Spannung und der Zeit, die man in Gedanken an den Anderen verbringt.

„Was meinen Sie? kann ich noch bis Sonntag einen Brief bekommen? Möglich wäre es schon. Aber es ist unsinnig, diese Lust an Briefen. Genügt nicht ein einziger, genügt nicht ein Wissen? Gewiß genügt es, aber trotzdem lehnt man sich weit zurück und trinkt die Briefe und weiß nichts als daß man nicht aufhören will zu trinken.“  

Dieser kleine Auszug stammt aus einem der schönsten Briefwechsel literarischer Art, zwischen Franz Kafka und Milena Jesenská: „Briefe an Milena“.

Wie wäre es, wenn man den Briefkasten öffnet und darin einen Umschlag fände, und an der Handschrift, mit dem er beschrieben ist, schon den Absender erahnen könnte? Und noch während man mit klopfendem Herzen die Stufen zu seiner Wohnung hinauf steigt, es kaum erwarten kann, ihn zu öffnen, um dann die Worte in sich aufzusaugen, die für einen bestimmt sind, und die aus dem Herzen des Menschen kommen, der sie an uns gerichtet hat. Wäre das nicht schön?

Ja, das wäre es.

Platon & Co.

Posted in Allgemein, Philosophie on 23. Februar 2014 by Jeanette Neuendorf | Berlin

platon

„Jeder Begehrende begehrt (epithumei) das noch nicht Vorhandene und nicht Fertige, und was er nicht hat und nicht selbst ist, und wessen er bedürftig ist; solcherlei also sind die Dinge, wonach es eine Begierde gibt und eine Liebe (eros)“ (200e). – Platon

***

Vielen Dank für dieses wunderbare Zitat an Elad Lapidot und für den interessanten Vortrag über „Philosophie und Tora – gegebenes und gesuchtes Wissen?“, dessen philosophischen Ansatz bzw. die damit iniziierte Fragestellung ich mit großem Interesse weiterverfolgen werde…

Dank auch an Frank Hahn und Spree-Athen E.V. für diesen anregenden Abend!

Nebenwirkungen

Posted in Allgemein, Film, Literatur, Musik on 28. Januar 2014 by Jeanette Neuendorf | Berlin

Mit einer ernstzunehmenden Erkältung im Bett zu liegen, ist eine wenig verlockende Vorstellung – das gebe ich gerne zu. Lässt man aber alles fallen, was man sich die Woche über vorgenommen hatte, nachdem der Arzt einen, mitleidig den Kopf schüttelnd, angeschaut hatte, auf die Frage, ob dies nicht doch nur ein Schnupfen sei, und stattdessen unnachgiebig auf einer Woche Ruhe bestand – stellt sich langsam die Gewissheit über die Tatsache ein, dass es eben Zeiten gibt, in denen unser Kopf nicht bestimmt, wie die Dinge zu verlaufen haben.

Was bleibt also, abgesehen von den Bemühungen seinen abgekämpften Körper liebevoll wieder auf Vordermann zu bringen? Zeit – eine Menge Zeit! Und die sich daraus ergebende unschlagbare Tatsache, den ganzen Tag Bücher lesen oder Filme anschauen zu können.

Und so bin ich dieser Tage eine gern gesehene Kundin in meiner Lieblingsvideothek hier im Viertel. Schöne Geschichten müssen es sein. Französische Filme sind für mich meistens der Garant dafür. Gestern aber erweckte ein als ‚US Independent Liebesdrama‘ angepriesener Film mit Greg Kinnear und Jennifer Connelly meine Aufmerksamkeit, und ich entdeckte dabei eine wundervolle, anrührende Geschichte: „Love Stories – Erste Liebe, zweite Chancen“ (im Original „Stuck in Love“, 2012).

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Der Film erzählt über das Schreiben, das Leben und die Liebe – die großen und die kleinen Dinge, Gesten, Worte und Geschehnisse. Es ist eine Aneinanderreihung von bedeutenden und scheinbar unbedeutenden Ereignissen, die so gesehen, unser aller Leben ausmacht. Es ist ein Film über Lieben und Scheitern, zweite Chancen, sich selbst finden, die Überwindung von Angst, Erwachsenwerden, die Hoffnung… und darüber, dass es sich lohnen kann, seinen Gefühlen zu vertrauen – durchwoben von großartigen Songs, wie z.B. Elliot Smith – Between the bars und zahllosen Hinweisen auf bemerkenswerte Literatur.

Die Schlusseinstellung endet mit den bildhaften Worten: „Ich hörte die Herzen der Anderen. Ich hörte das Menschengeräusch, das wir machten, als wir da saßen. Keiner von uns hat sich bewegt, auch nicht, als der Raum dunkel wurde.“ (aus dem Erzählband „Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden“ von Raymond Carver.)

… Eine weitere schöne Entdeckung!

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